Landbäckerei Brack, Bad Hersfeld, Ludiwgsau

Aktive Hilfe für schwerbehinderten Azubi

Lucas an seinem Ausbildungsplatz in der Landbäckerei Brack
Lucas, fröhlicher 16-jähriger im Rollstuhl an seinem Arbeitsplatz

Gelebte Integration eines Muskelkranken im ländlichen Bäckereibetrieb

Lucas ist einer von ca. 2.000 betroffenen Jungen in Deutschland, im kleinen Dorf Niederthalhausen ist er der einzige, der die schleichende Muskelerkrankung Muskeldystrophie Duchenne (MD) hat. Vor wenigen Jahren konnte der heute 16-Jährige Lucas noch alleine laufen, treppensteigen und überall dort hingehen wohin er wollte. 

Die Kraft und Stabilität hat er heute nicht mehr in seinen Beinen und sein gesamter Körper führt nicht mehr die Bewegungsabläufe durch, die Lucas gerne möchte. Aber das interessiert Lucas wenig, denn der schaut nach vorne.„Den Gassigang mit meinem Hund Luk mache ich eben im Sitzen und er läuft neben mir her.“ Er sieht seine Möglichkeiten realistisch und strahlt dabei soviel Freude und Zuversicht aus, so dass man ihn sogar als Mutmacher und Sonnenschein wahrnimmt. 

„Ich habe doch noch die Freiheit und kann morgens alleine zu meinem Ausbildungsplatz fahren“. Mit seinem elektrischen Rollstuhl fährt er nur zwei Minuten und grinst verschmitzt aus seinen blauen Augen. Er denkt nur noch selten zurück an die Jahre als er sich ganz selbstverständlich bewegen konnte. Seitdem er von seiner Muskelerkrankung weiß, ist sein Leben und das seiner Familie deutlich verändert. Doch bei allen notwendigen Veränderungen für Barrierefreiheit und Unterstützung für seine Hilfsbedürftigkeit, hat sich der Blickwinkel zum Positiven verändert: Sie alle leben mehr im Jetzt und Hier.

Perspektive für Schwerbehinderten Azubi durch mutige Arbeitgeber

Die Ausbildung Kaufmann für Büromanagement passt zu Lucas Fähigkeiten
Lucas ist im Büro stets fröhlich und engagiert

Besonders wichtig ist die Perspektive für Lucas durch seine Ausbildungsstelle zum Kaufmann für Büromanagement, die er im September 2016 in der Landbäckerei Brack begonnen hat. Um 08:00 Uhr rollt er ins Büro an seinen Computerarbeitsplatz und ist schon gleich mitten im Geschehen eines abwechslungsreichen Arbeitstages. Zweimal in der Woche hat er Berufsschule in Bad Hersfeld. Die Chance, seine berufliche Zukunft planen zu können, macht ihm Mut. Er stellt sich dabei fröhlich und gelassen der Herausforderung, dass bei ihm eben vieles etwas anders abläuft als bei anderen Jugendlichen.

Lucas ist einer der sechs Azubis und ist im 40-köpfigen Team des familiengeführten Handwerkbetriebes voll integriert."Keiner weiß so schnell wie Lucas, wo welcher Aktenordner in der präzise sortierten Regalwand hinter ihm steht. Zeitweise übernimmt er verantwortungsvoll den Telefondienst und schreibt Kundenaufträge auf, genauso zuverlässig wie die Weitergabe von internen Mitteilungen zwischen den Kollegen aus der Backstube, den Filialen und dem Büro" freut sich Cornelia Brack über die gelungene Inklusion des fröhlichen schwerbehinderten Jungen.

Freundschaftliche und dörfliche Gemeinschaft hilft

Es braucht Arbeitgeber, die mit gutem Beispiel vorangehen, die auch die Potentiale von Menschen mit Beeinträchtigungen erkennen und die Angst vor dem Unbekannten im Umgang mit Behinderten nehmen.

Das Ehepaar Jörg und Cornelia Brack führt den traditionellen Bäckerei-Handwerksbetrieb mit viel Herz und Begeisterung, auch mit Blick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Mitarbeiter, die eine besondere Zuwendung brauchen, werden nach Möglichkeit unterstützt, daher stehen sie mit deren Familien auch in besonders engem Kontakt. „Wir wissen um die vielen besonderen Aktivitäten und Maßnahmen, die für Lucas von seiner Familie aufgewendet werden müssen, um den Alltag gut gelingen zu lassen und möchten daher noch mehr tun“, beschreibt Cornelia Brack das Engagement für ihr schwerbehindertes Patenkind.

Lucas wohnt mit seinen Eltern und seiner Schwester in dem kleinen Dorf mit rund 200 Einwohnern, dort kennt noch jeder jeden. Das gewachsene Miteinander und der Zusammenhalt durch dörfliche Nachbarschaftshilfe bringt Zuversicht und Geborgenheit für die Familie. Soziale und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen ist für die Landbäckerei Brack traditionell verpflichtend. „Auch andere ortsansässige Arbeitgeber wie der Heizungs-­‐ und Sanitärbetrieb Achim Zuschlag und die Gastronomie Saal-­Allendorf beteiligen sich an dieser Spendenaktion“ freut sich Cornelia Brack. Diese inhabergeführten Familienunternehmen aus Niederthalhausen möchten hiermit vorbildlich engagiert zeigen, dass eine Behinderung mit gemeinschaftlicher Unterstützung auch neue Wege ermöglicht.

Spendenaktion für Lucas

Mit der Idee Hilfe zur Selbsthilfe engagiert sich der Verein VR-­‐Herz und Hand e.V. besonders für Kinder und Jugendliche innerhalb der Region Bad Hersfeld-­Rotenburg. Auf das Vereinskonto des gemeinnützigen Fördervereins können ab sofort Spenden eingezahlt werden, im Verwendungszweck „Lucas Braun“ zu benennen. Diese finanziellen Hilfen werden in vollem Umfang und unmittelbar an die Familie transferiert. Die Verwendung der Spendengelder ist zweckgebunden und ausschließlich für Maßnahmen im Interesse von Lucas Braun bestimmt.

Größtenteils zahlen die Eltern für alltäglich notwendige Hilfsmittel, daher hilft jede Form der Zuwendung. Beispielsweise der Treppenlift, damit er in sein Schlafzimmer kommt. Der größere Pkw mit besonderen technischen Hebehilfen war dringend erforderlich, um ihn zur Berufsschule und sonst überall hinfahren zu können. Auch die Baumaßnahmen haben kürzlich begonnen für den notwendig behindertengerechten und barrierefreien Neubau des Zuhauses der Familie Braun.

Der Auszubildende Lucas ist in die umfangreichen Formalitäten und zu klärenden Abläufe größtenteils involviert. Er wundert sich auch darüber, wie viele Hilfsmöglichkeiten erst einmal abgelehnt werden, obwohl doch Rechtsanspruch nach dem Sozialgesetzbuch besteht. „Damit ich morgens aus dem Bett komme, brauche ich eine Aufstehhilfe. Die Krankenkasse sagt, dass ich keine bekomme, weil ich doch einen elektrischen Rollstuhl habe. Mit dem fahre ich aber doch draußen herum und kann den nicht mit ins Bad und mein Schlafzimmer im 1. Stock hoch nehmen.“

Seine Bewegungseinschränkungen nehmen von Monat zu Monat zu. Lucas kämpft jedoch, denn er hat Zukunftspläne. Täglich trägt er die Bein-­Schienen über viele Stunden, um den Verkürzungen der Sehnen vorzubeugen, dies bedeutet leider auch Schmerzen und endet meist in Tränen. Nervig ist zudem, wenn sein Rollstuhl wieder defekt ist und der Ersatzrollstuhl leider nicht gleichwertige Entlastung bringt. Die Belastungen sind vielschichtig auf psychischer und physischer Ebene. Es gibt viele Hilfsangebote, aber die Betroffenen müssen sich erst durch den Paragraphen-Dschungel kämpfen. Es braucht eine Art Reifeprozess, um zu wissen, was die eigenen Rechtsansprüche sind.

Bracks Lucas-Brot
  • Eine weitere helfende Maßnahme ist das Lucas-Brot. Dafür wurde eine spezielle Holz-Brotform geschnitzt. Bracks Lucas-­Brot wurde in das Backsortiment aufgenommen. Es ist ein Roggenmischbrot mit Sesam und Leinsamen, Sonnenblumen- und Kürbiskernen; die Saaten werden vorgequollen und dem Teig zugesetzt.
  • Von jedem verkauften Lucas-­Brot wird ein fester Betrag in die Lucas-­Spenden-­Aktion abgeführt.
  • Schenken auch Sie Freude und helfen Lucas mit Ihrer Spende.

Die Kontoverbindung des Fördervereins:

VR-­Herz und Hand e.V., Betreff: Lucas Braun,
IBAN: DE44 5329 0000 0070 4437 08

Über die Spendengeber und die Verwendung der Gelder werden wir hier stets aktuell berichten.

Auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e. V. (DGM) finden Sie Hintergrundinfos zu Muskelerkrankungen und zur Muskeldystrophie Duchenne